Die richtige Anfutterfarbe

Generell gilt...

Zu Beginn eines Angelns solltet ihr versuchen die Aufmerksamkeit der Fische auf den Futterplatz zu lenken. Dies gelingt mit einer ausgeprägten farblich abgesetzten Wolke. Allerdings sollte man auch Vorsicht walten lassen, denn die Aufmerksamkeit der Raubfische wird ebenfalls auf den Futterplatz gelenkt. Ihr solltet folgende Faustregel beachten: Zu Beginn des Angelns gilt es Aufmerksamkeit u.a. durch eine ausgeprägte Wolkenbildung zu erzeugen. Sobald sich Fische am Futterplatz eingestellt haben, wird mit einem inaktiveren Anfutter nachgefüttert.

Ob man nun ein helles, dunkles oder farbiges Anfutter einsetzt hängt wesentlich von den Umfeldbedingungen ab. Grundsätzlich gilt bei hellem Untergrund sollte helles Anfutter und bei dunklem Untergrund dunkles Anfutter zumindest zum Nachfüttern eingesetzt werden.

Nach dem Grundsätzlichen gehen wir jetzt ins Detail!!!

Looky Looky - was der Fisch sieht!

Nun möchten wir uns dem Thema Gewässerbodenfarbe und Farbe des Angelfutters widmen. Grundsätzlich gilt, dass das Anfutter locken und nicht scheuchen sollte. Eine Ausnahme bildet allerdings das selektive Angeln auf große Fische, insbesondere wenn es in dem Gewässer einen großen Kleinfischbestand gibt. So haben wir in eher klareren Gewässern die Erfahrung gemacht, dass ein stark vom Boden kontrastierendes Anfutter die kleinen Fische eher verscheucht, wohingegen die größeren Fische den Angelplatz irgendwann annehmen. Dies hängt damit zusammen, dass in klaren und flacheren Gewässern die Kleinfische zusätzlich von Wasservögeln wie dem Kormoran und dem Fischreiher bejagt werden. Auf einem Futterteppich, der sich von der Umgebungsfarbe stark abhebt, werden eben diese kleinen Fische schneller entdeckt. Da sie sich aber aufgrund auch dieser Gefahr optimal an ihr Umfeld angepasst haben, werden sie den Futterplatz meiden. Somit setzt diese Strategie ganz klar auf Klasse statt auf Masse. So werden hauptsächlich große Fische den Futterplatz annehmen, die dann gezielt beangelt werden können.

Wie bereits angesprochen ist die Gewässertrübung ganz entscheidend für die Wahl der Anfutterfarbe. In klaren Gewässern sollte ein sich eher an die Gewässerbodenfarbe angepasste Anfutterfarbe gewählt werden. Wir schließen in unseren Folgerungen nun bewusst den oben beschriebenen Fall aus. Einen leichten Kontrast wird es immer geben, der ja auch Aufmerksamkeit erzeugt. Je trüber bzw. je tiefer ein Gewässer ist, desto kontrastreicher sollte das Anfutter sein. Warum eigentlich fragt ihr euch sicher. Nehmen die Fische denn überhaupt Farben wahr.

WIe und was der Fisch sieht?

Physikalische Studien der Fischaugen haben ergeben, dass Fische ein gutes Kontrastierungsvermögen besitzen, Bewegungen sehr gut aufnehmen und einen Köder klar umrissen wahrnehmen1. Weitere Studien ergaben, dass ein Minimum an Restlicht vorhanden sein muss, damit Fische Farben überhaupt wahrnehmen können. Grundätzlich sind Fische kurzsichtig. Sie sehen lediglich bis zu einem Meter entfernte Objekte scharf. Zwar ist das Fischauge dem menschlichen Auge ähnlich, allerdings ist die Linse kugelig und starr. Deswegen ist sie nicht in der Lage ihre Form zu verändern, um auf unterschiedliche Entfernungen zu fokussieren (er kann sein Auge also nicht scharf stellen). Somit ist der Fisch zusätzlich zu den Sichtweiten unter Wasser durch sein Auge im Vergleich zum Menschen gehandicapt. Er nutzt seine anderen Sinnesorgane, um sich unter Wasser zu orientieren. Ob Fische eine spezielle Farbe favorisieren konnte noch nicht wissenschaftlich belegt werden. Des Weiteren ist natürlich auch zu klären, welche Farben bei welchen Bedingungen überhaupt noch sichtbar sind. Wie bereits erwähnt ist ein Minimum an Restlicht notwendig, damit Fische Farben wahrnehmen können. In einem klaren Gewässer und bei einer Wassertiefe von unter einem Meter können beispielsweise alle Farben sehr gut wahrgenommen werden. Der Raubfischexperte Uli Beyer veröffentlichte zum Thema Köderfarben einen aufschlussreichen Artikel2. Einzelne Farben verlieren mit zunehmender Tiefe ihre Sichtbarkeit und erscheinen in einem monotonen grau. So verschwinden zunächst rot, dann orange, gelb, grün und schließlich blau bzw. violett.

Grundsätzlich gilt also, je tiefer der Angelplatz angelegt ist, desto weniger Farben können dort wahrgenommen werden und schließlich auch, je trüber das Wasser ist, desto eher verschwinden die Farben. Daraus lässt sich ableiten, dass ein rotes Anfutter zwar vom Angler, wohl aber nur unwesentlich vom Fisch wahrgenommen wird. Grundsätzlich kann empfohlen werden, bei tiefen bzw. trüben Gewässern gelbes bzw. grünes Anfutter einzusetzen. In flacheren Gewässern mit gegebener Sichttiefe ist auf ein oranges Anfutter zu setzen und bei klaren flachen Gewässern sollte das Anfutter der Gewässerbodenfarbe möglichst angepasst sein. In der Regel angelt man auf eher dunklen Böden, so dass bei einem gelben bzw. grünen Angelfutter zusätzlich eine gute Kontrastierung gegeben ist. Auch gilt es bei trübem Wasser möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, damit der Fisch den Futterplatz findet. Stehen erst einmal ein paar Fische auf dem Futterplatz wird die Aufmerksamkeit der anderen Fische, die sich in der näheren Umgebung befinden, ebenfalls auf den Futterplatz gezogen. Somit sollten insbesondere zu Anfang des Angeltrips Wolkenbildner, wie z.B. Milchpulver, eingesetzt werden. Zudem kann man das Anfutter in der Anfangsphase weniger stark befeuchten, so dass sich der Futterballen bereits beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche auflöst und somit eine Futterwolke erzeugt wird. Da sich allerdings der Wolkenbildner bzw. das wenig befeuchtete Anfutter in der gesamten Wassersäule verteilt, sollte ab Eintreffen der ersten Fische auf deren Einsatz verzichtet bzw. nachbefeuchtet werden, um die Fische auch zielgenau, in der Regel in Grundnähe, beangeln zu können.

Grundsätzlich finden folgende Anfutterfarben in den jeweiligen Situation Anwendung:

  • Schwarz: Eine Top-Farbe fur das Angeln im Herbst/Winter, aber auch in der wärmeren Jahreszeit für den Einsatz in sehr klaren Gewässern. Durch die an den dunklen Gewässerboden angepasste schwarze Farbe fallen die sich am Futterplatz befindenden Fische nicht schnell auf und sind damit keine so leichte Beute für die Räuber.
  • Braun: Dies ist die klassische Allroundfarbe, die vornehmlich im Frühjahr und Herbst eingesetzt wird, aber auch dann, wenn man das Anfutter aufgrund eines hohen Raubfischbestandes an den Gewässerboden anpassen muss. Bei einer braunen Futtermischung macht man eigentlich nie etwas falsch. Insbesondere beim Nachfüttern ist ein braunes Anfutter zu empfehlen.
  • Rot: Ist zwar eine beliebte Farbe bei Hochwasser in Flüssen und Kanälen. Allerdings kann aus unser Sicht rote Anfutterfarbe nicht empfohlen werden, da diese Farbe unter Wasser schnell verschwindet und damit nicht wahrgenommen wird.
  • Orange: "Das abgeschwächte Rot!" Analog zur roten Anfutterfarbe erzeugt auch ein oranges Anfutter hohe Aufmerksamkeit. Insbesondere im Frühjahr und Herbst ist es ein Geheimtipp für die Angelei auf Barben.
  • Gelb: Gelb wirkt stark kontrastierend und wird in den Sommermonaten bei angetrübtem Wasser gerne eingesetzt. Viele Brassenangler schwören auf gelb als Anfutterfarbe.
  • Grün: Grün ist eine Ganzjahresfarbe, die insbesondere bei der Angelei auf Karpfen und Karauschen beliebt ist.
  • Blau: In tiefen und trüben Gewässern ist blau die einzige Farbe, die noch wahrnehmbar ist. Sie kommt allerdings eher selten zum Einsatz. So wirkt je nach Anfuttermischung das Blau nachher eher grün.

 

1 David Ross; Fish Eyesight; http://midcurrent.com/science/fish-eyesight-does-color-matter/

2 Uli Beyer; Farben unter Wasser; http://www.uli-beyer.com/de/monstertechnik/koeder/102-farben-unter-wasser