Geschmack / Geruch

Mit Geruch und Geschmack zum Erfolg!

Was und wie schmeckt der Fisch und was kommt überhaupt bei ihm an? Wir Angler sind durch die Werbung und Werbebotschaften vielem ausgesetzt. So hält der Fachhandel die verschiedensten Wundermittelchen für uns bereit, die den Fisch des Lebens nun endlich auch an den Haken bringen sollen. Flavours zur Futterbeimischung oder die Toppings für den Köder zum Dippen oder zum Sprühen. Weiterhin gibt es unzählige Geschmacksrichtung von süß (tutti frutti etc.) über würzig bis ekelig (red crab) und schließlich besitzen die Fertigfutter die unterschiedlichsten „Duft- und Geschmacksrichtungen“.

Wir Angler fragen uns dann zurecht – was soll ich denn noch kaufen? Wir sind verwirrt und verunsichert!

An dieser Stelle angekommen sollte sich jeder von uns doch die Frage stellen – was will ich denn überhaupt. Will ich mich selbst betören oder den Fisch? Und wenn ich den Fisch betören möchte müsste ich doch wenigstens wissen, was er denn überhaupt wahrnimmt. Denn meine Nase ist nicht die Nase (Geruch) eines Fisches und meine Zunge (Geschmack) ist auch nicht die eines Fisches. Grundsätzlich kann man allerdings der Logik folgen, dass wenn man sich bei dem Geruch und Geschmack selbst ekelt, ein Fisch wohl nicht in Exktase versetzt wird. Hier gibt es aber durchaus wieder Ausnahmen, die allerdings nur aus den Erfahrungsberichten der Angler ableitbar sind. Wichtig ist, dass man sein Anfutter probiert und es auch ruhig ein wenig zerkaut. Erst dann merkt man, ob es einen angenehmen Geschmack besitzt. Der Geruch sagt erst einmal wenig aus, denn die Gerüche unter Wasser, die wasserlöslichen Substanzen, sind grundsätzlich verschieden zu den gasförmigen in der Luft, die wir wahrnehmen.

Somit wäre zuallererst zu klären, wie nimmt der Fisch über seine Sinnesorgane die Geruchs- und Geschmackseinflüsse war und weiterhin, was kann er denn überhaupt wahrnehmen. Denn nur das, was über das Wasser auch transportiert wird kann der Fisch wahrnehmen, also riechen und schmecken. Somit ist hier das Augenmerk beim Riechen auf die Wasserlöslichkeit derjenige Stoffe zu lenken, die eingesetzt werden. Alles andere kommt beim Fisch schlichtweg nicht an!

Die Sinnesorgane mit denen Fische Gerüche wahrnehmen können sind die Nase und die Zunge. Allerdings liegen weitere Rezeptoren auf den Lippen, den Barteln, den Flossen und sind auf der ganzen Haut verteilt. Da der Großteil der Fische die Nahrung unzerkleinert herunterschlingt ist es wichtig zu wissen, dass der Geschmackstest bereits vor der Nahrungsaufnahme über das Maul erfolgt. Karpfen spülen z.B. das Futter ein und aus. Mittels der oben beschriebenen Organe gelingt dies sehr gut. Im Verhältnis zu uns Menschen können Fische erheblich besser riechen. Beispielsweise kann der Aal bereits geringste Konzentrationen zum Beispiel von Zucker wahrnehmen, in einem Volumen, was dem Wasservolumen des Bodensees entspricht.1 Das Erkennen chemischer Reize ist für Fische zudem überlebenswichtig, denn z.B. niedrige Konzentrationen giftiger Stoffe führen dazu, dass der Fisch dies wahrnimmt und die Nahrung wieder ausspuckt. Es ist im quasi angeboren, um zu überleben!

Was will der Fisch denn riechen und schmecken? Da Fische Gewohnheitstiere sind, sollte der Köder und das Anfutter eben diese Gewohnheiten auch bedienen. So frisst der Karpfen laut Arlinghaus1 im Frühjahr und im Frühsommer Zooplankton (Wasserflöhe und Hüpferlinge) eine Nahrungskomponente, die aber keinen sehr hohen Anteil ausmacht (bis zu 5 % der Masse im Darm). Des Karpfen liebste Speise sind Zuckmückenlarven (normalerweise 25 % des Darminhaltes).

Am Ende des Frühjahres werden die Zuckis als Nahrung noch interessanter und bleiben es bis zum Herbst. Zuckmückenlarven kommen in Dichten bis zu 4000 Larven pro l Substrat vor (in absterbenden Wasserpflanzen oder im fruchtbaren Schlamm). Die zweitwichtigste Nahrungskomponente sind Weichtiere (Mollusken) wie Schnecken und Muscheln (Anteil um 25 %).
Selbstverständlich kann sich dieser Anteil bis auf fast 100 % verschieben, wenn in dem Gewässer Mollusken besonders reichlich vertreten sind (Sommer und Herbst). Eintagsfliegenlarven, Köcherfliegenlarven und Libellenlarven kommen regelmäßig im Darm vor. Oligochäten wie Tubifex stellen ca. ein Drittel der Nahrung dar, vor allem im Winter und Frühjahr. Andere Nahrung sind Samen und Pollen, die ins Wasser gefallen sind. Auch Fischlarven sowie tote Fische und große Krebse wie Flusskrebse werden gefressen, sofern sie nicht zu groß sind.

Wenn wir von den Karpfen auf die Karpfenartigen (Cyprinidae) schließen, so decken wir mit den hier angestellten Gedanken bereits sehr viele unserer Zielfische ab. Wenn wir weiterhin unser Angelfutter dahingehend aufbauen, dass wir die am Grund lebenden und fressenden Fische beangeln wollen, können die hier angestellten Ableitungen von den Karpfen eigentlich immer herangezogen werden.

Wenn wir also davon ausgehen, dass die Fische eben riechen und schmecken und bereits über den Geruch den Köder und das Futter auf Genießbarkeit hin begutachten stellt sich natürlich die Frage aller Fragen, welche Attraktoren führen dazu, den Fisch zum Anbiss zu bewegen. Weiterhin natürlich auch, womit gelingt es den Fisch möglichst lange am Platz zu halten.

Ich stelle hier folgende zwei Thesen in den Raum: „Gelingt es dem Fisch ein geruchlich und geschmacklich einwandfreies und zudem ansprechendes Angelfutter anzubieten, wird er länger am Futterplatz bleiben. Somit steigt auch die Wahrscheinlichkeit ihn an den Haken zu bekommen.“ Und zweitens: „Das Futter ist lediglich der Transporteur der Attraktoren und der Köder (ebenfalls Attraktoren), mit denen geangelt werden soll.“

Was sind aber diejenigen Attraktoren, die wir einsetzen sollten und welche sollten wir tunlichst meiden. Ich denke, dass der Blick ins eigene Gewässer sinnvoll wäre. Bei uns an der Ruhr haben die Fische, so auch die Karpfen, rötliches Fleisch. Dies ist auf einen hohen Anteil an Bachflohkrebsen in der Naturnahrung zurückzuführen. Was würde denn nun näher liegen, als das man im Anfutter als Attraktor Bachflohkrebsmehl einarbeitet. Schaut man in Gewässer mit einer weicheren Bodenstruktur, so kommen eigentlich immer Zuckmückenlarven vor. Da die Familie der Zuckmücken in Europa die wohl artenreichste Insektenfamilie in unseren Binnegewässern darstellt (es sind nicht immer nur die roten Zuckis), sollten diese auch in unserem Anfutter vorkommen. Wenn man sich nun nocheinmal die Sinnesorgane der Fische anschaut können nur solche Substanzen wahrgenommen werden, die im Wasser gelöst sind. Der Geruch eines Flavours den wir wahrnehmen ist gasförmig und kommt bei den Fischen unter Wasser so definitiv nicht an.

Japaner fanden zum Beispiel heraus, dass Alkohole von Karpfen schwach geruchlich wahrgenommen werden. Säuren wirken dagegen abschreckend, ebenso Bitterstoffe.2 Es ist also extrem wichtig, dass unser Anfutter frei von Bitterstoffen und Säuren ist. Durch den Geschmackstest können auch wir Bitterstoffe und Säuren wahrnehmen, so dass eine Vorauswahl von Flavour und Zutaten erfolgen kann. Wir führen uns hier noch einmal vor Augen, dass die Karpfen vor Aufnahme eines Köders diesen immer wieder einsaugen und dann wieder ausspülen. Auch Beobachtungen im Aquarium haben uns gezeigt, dass Rotaugen Futterpartikel aufnehmen und diese wieder ausspucken, bevor sie diese aufnehmen. Daraus ist also abzuleiten, dass zuerst einmal das Angelfutter geruchlich einwandfrei sein muss, und es dann erst nachvolgend nach Futteraufnahme geschmacklich überprüft wird. Somit ist die Wasserlöslichkeit der Attraktoren in unserem Anfutter entscheident, damit dieses überhaupt den Geruchstest übersteht.

Deswegen noch einmal ein paar Gedanken zur Wasserlöslichkeit. Arlinghaus1 führt aus, dass nur einige Proteine und ihre Bausteine, die Aminosäuren (auch Amide und Peptide), Mineralstoffe und Ionen (z.B. NaCl Kochsalz, zerfällt in Na+ und Cl-, was wasserlöslich ist) sowie Zucker wie Glucose, wasserlöslich sind. Die Kohlenhydrate (also u.a. Haushaltszucker) sind in der Naturnahrung fast nicht vorhanden. Kohlenhydrate, sofern sie vorkommen, werden vornehmlich von Gerüstkohlenhydraten wie Chitin (findet sich im Panzer der Insekten), welches nicht wasserlöslich ist, gestellt. Zucker kommen fast gar nicht vor, können also vernachlässigt werden. Fette sind nicht wasserlöslich, spielen als Lockstoffe also ebenfalls keine Rolle. Sehr interessant ist jedoch die Protein- und Aminosäurefraktion, die am häufigsten vorkommt. Ein optimaler Anfuttermix sollte also zum einen hochverdaulich sein und zum anderen natürliche Lockstoffe enthalten. Diese müssten nach obigen Überlegungen in der Hautsache der Protein- und Aminosäurefraktion entstammen.

Dem Geruchsinn scheint also bei der Nahrungssuche eine gewisse Rolle als Leitorgan zuzukommen. Allerdings verneinen einige Wissenschaftler laut Arlinghaus1 dem Geruchsinn eine Beteiligung bei der Nahrungssuche. Andere wiederrum meinen, dass der Geruchsinn zum Auffinden der Nahrung dient, der Geschmacksinn darüber entscheidet, ob die Nahrung gefressen wird. Größte Bedeutung hat also der Geschmacksinn, der auf Barteln, Lippen, Gaumen, Kiemenbögen und Haut in Form von Geschmacksknospen zu finden ist, damit die Fische auch dauerhaft am Platz gehalten werden können. Denn wirkt der Geruch stimulierend und ist der Geschmack eher abstoßend, z.B. bitter, haben wir nichts gewonnen.

Aminosäuren wirken häufig erst in einer Kombination. Als Angler sollten wir laut Arlinghaus1 daraus den Schluss ziehen, dass Zutaten mit einem hohen Anteil freier Aminosäuren, wie Blutmehl, Blutplasma, Lebermehl, aber auch Fisch- und Krebsmehle, natürliche Extrakte wie Green Lipped Mussel oder wasserlösliches Fischprotein sehr gute Zutaten sind. Als Futterzusätze sind Aminosäuremischungen, wenn möglich aus obigen Aminosäuren, besonders erfolgsversprechend. Geschmacklich wirken oft nur wenige Aminosäuren und diese Wirkung ist artspezifisch, während geruchlich eine höhere Anzahl Aminosäuren wahrgenommen werden.

Ein optimales Angelfutter sollte die Nährstoffansprüche des Fische erfüllen, eine optimale geruchliche Lockwirkung aufweisen sowie geschmacklich einwandfrei sein.

Folgende Substanzen sind wahre Attraktoren:

- Naturnahrung (z.B. Zuckmückenlarven), natürliche Extrakte aus Bachflohkrebsen (Bachflohkrebsmehl) und Würmern (Dendrobenaliquid), aber auch aus Muscheln und Fischen (Green Lipped Mussel, Fischextrakte, wasserlösliches Fischprotein, Shrimpextrakte, Zuckmückenextrakte)

- Zutaten mit einem hohen Anteil freier Aminosäuren oder Proteine (vornehmlich tierischen Ursprungs) (Lebermehl, Fisch- und Krebsmehl, Milch- und Maisproteine, Blutmehl, Bierhefe, Biertreber)

- Natürliche Substanzen (Gewürze, ätherische Öle, natürliche Flavour). Honig und Zuckerrübenmelasse (z.B. Rübenkraut), Zuckerverbindungen wie NHDC, Salze mit ein- oder zweiwertigen Ionen vor allem im Winter (wasserlösliche Kochsalze).

- Sämereien (z.B. Weizen, Hanfsamen, Leinsamen), gekocht und leicht vergoren, so dass sie eine gewisse Süße enfalten (Vorsicht, beim Gärprozess kann schnell die alkoholisch Gärung eintreten. Dies wäre kontraproduktiv).3

An dieser Stelle abschließend noch einmal zu den beiden Thesen. „Gelingt es dem Fisch ein geruchlich und geschmacklich einwandfreies und zudem ansprechendes Futter anzubieten, wird er länger am Futterplatz bleiben. Somit steigt auch die Wahrscheinlichkeit ihn an den Haken zu bekommen.“ Mit den oben aufgeführten Komponenten gilt es somit zu experimentieren, immer vor dem Hintegrund das eigene Gewässer zu kennen, um somit von der Naturnahrung abzuleiten. Und zweitens: „Das Futter ist lediglich der Transporteur der Attraktoren und der Köder, mit denen geangelt werden soll.“ Genau, das Anfutter sollte technisch an das Gewässer angepasst (Bindung, Farbe etc.) sein und kontinuierlich Attraktoren und Köder freigeben.

 

1 Pia Grzesiak - Planet Wissen – Die Sinne der Fische/ http://www.planet-wissen.de/natur/tiere_im_wasser/fische/pwiediesinnederfische100.html

2 Robert Arlinghaus – Wieso, Weshalb, Warum – Teil 3/ https://www.carp.de/berichte/sonstiges/228-wieso-weshalb-warum-teil-3.html

3 Thomas Talaga - Watercraft erfolgreich Karpfenangeln - Teil 1